Seit einigen Jahren zeichnet sich zunehmend eine qualitative und quantitative Veränderung der Gewalt und Gewaltbereitschaft unter den Kindern und Jugendlichen ab.

 

Auf der einen Seite erleben wir in unserer direkten pädagogischen Arbeit als Betreuer junger Menschen verstärkt die Konfrontation mit der Gewaltproblematik, da die hier betreuten Kinder und Jugendlichen größtenteils aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. Sie verfügen über Lebenserfahrungen (Demütigungen, Kränkungen, Mutter-, Vaterverlust, Vernachlässigung), aus denen sich oftmals geringe Beziehungsfähigkeit, sozial unsicheres Verhalten und Minderwertigkeitsgefühl entwickeln, die durch die Bereitschaft zum Schlagen kompensiert werden. Weiterhin waren viele Jugendliche im Verlauf ihrer frühen Sozialisierung gewalttätigen Vorbildern ausgesetzt, selbst Opfer, und hatten nur geringe Möglichkeiten, friedliches und kompromissbereites Verhalten in Konfliktsituationen zu lernen, so dass ein großer Nachholbedarf, neues Umdenken und Umlernen von Verhaltensmustern nötig ist.

Auf der anderen Seite erfahren wir aber auch durch die Vernetzung mit anderen Sozialisierungseinrichtungen - insbesondere den Schulen - den verstärkten Bedarf, Maßnahmen im Umgang mit gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen zu entwickeln.

 

Vor diesem Hintergrund und durch die Sensibilisierung der Pädagogen der Einrichtung wurden Herr. Dr. Heilemann und Frau Fischwasser von Proeck zur Schulung des von ihnen entwickelten und seit mehr als 15 Jahren in der JVA Hameln erprobten Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) geladen.

 

Daraus entstand das Projekt "Break Out", ein Team von 12 Erziehern/Betreuern, die angelehnt an das Hamelner Modell des AAT mit den männlichen Jugendlichen im Alter von 13- 16 Jahren präventiv arbeiten, damit sie

  • eigene Stärken kennen lernen
  • diese positiv erweitern
  • neue Konfliktlösungsstrategien entwickeln,

um ihr Selbstwertgefühl nicht durch Aggressionen aufwerten zu müssen.

"Break Out" gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Phasen:

  • Biographischer Analyse
  • Konfrontationsphase
  • Attraktivitätstraining
  • Realisationsphase

Schwerpunkte von "Break Out" sind dabei konfrontative und kompensative Elemente der Pädagogik. In der Konfrontationsphase, dem "Heißen Stuhl", soll jeder teilnehmende Jugendliche mit seiner gewaltbereiten Haltung bzw. seinem gewalttätigem Verhalten konfrontiert, u.U. provokant konfrontiert werden, um sich mit der Opferperspektive auseinander zusetzen. Eine konfrontative Pädagogik ist nur anfangs (allerdings als Grundlage) für die beziehungs- und wachstumsorientierte Pädagogik nötig und wird jederzeit, wenn nötig, mit Nähe (Berührung, positives Zukunftsdenken) aufgefangen. Aber erst mit der ehrlichen Erkenntnis des Jugendlichen, dass er bisher nur mit Gewalt gegen andere sein Ich gestärkt hat, wächst die Bereitschaft, sich auf die Angebote des Attraktivitätstrainings einzulassen.

 

In der 3. Phase bietet "Break Out" eine Vielzahl von Aktivitäten (Flirt-, Schauspiel-, Karate-, Logik-, Rethoriktraining, Entspannung....), damit die Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre tatsächlichen und ihre bisher unerkannten Begabungen/Stärken zu erkennen. Das Ziel lautet: Dem Jugendlichen wird durch tägliches Kompetenztraining ein Aufwertungsgefühl seiner selbst und Verständnis für Mitmenschen vermittelt. Die Umsetzung in der Gesellschaft erfolgt unterstützend und begleitend in Kooperation mit Schule und Bezugssystem.

 

Um eine breite Öffentlichkeit unter Jugendlichen, eine hohe Vernetzung mit der Gemeinde (ehrenamtliche Helfer) und die Einbeziehung des sozialen Umfeldes zu erreichen, wurde dieses Projekt in einer Auftaktveranstaltung vorgestellt. Dazu waren ebenfalls Herr Dr. Heilemann und Frau Fischwasser von Proeck eingeladen. In einer Doppelmoderation wurden AAT und "Break Out" gegenübergestellt, um aufzuzeigen, dass das AAT Grundlage von "Break Out" ist, aber auch gleichzeitig die Abwandlung herauszukristallisieren: Break Out ® als präventive Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen in Kooperation mit der Schule. Aufgepeppt wurde das Ganze durch Livedarbietungen von Tanz, Karate, Schauspiel und Band, um die einzelnen Trainingseinheiten lebhafter darzustellen.

 

Wenn Sie nähere Informationen haben möchten, so schreiben Sie uns doch eine .
Die Aktion Break-Out wird von  und  geleitet.

 

 

 

 

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